Das Wiki geht online — mit einem Testeintrag namens „test“
Der Wiki-Bereich ist live. Der erste Eintrag heißt „test“, der zweite auch. Über den Unterschied zwischen fertig und benutzbar — und was beim Freischalten alles auffällt.
970 Wörter · 5 Min. Lesezeit
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Heute ist der Wiki-Bereich meiner Seite online gegangen. Der erste Eintrag darin heißt „test", hat die Kurzfassung „test" und als Inhalt eine Zeile Tastaturgeklapper.
Ich schreibe das so hin, weil es ehrlich ist. Jeder Bereich, den ich je gebaut habe, hat mit einem solchen Eintrag angefangen, und in jeder Ankündigung liest man stattdessen von einem durchdachten Startbestand.
Was das Freischalten zutage gefördert hat
Ich hatte den Bereich lokal seit Wochen benutzt. Trotzdem sind beim ersten echten Anlegen über die Oberfläche innerhalb einer Stunde fünf Sachen aufgefallen, die vorher nie gestört hatten.
Die Kurzfassung war ein Pflichtfeld. Beim schnellen Anlegen einer Notiz will man keine Zusammenfassung schreiben. Jetzt ist sie optional, und die Übersicht zeigt die ersten Zeilen des Inhalts, wenn keine da ist.
Der Adressteil wurde aus dem Titel erzeugt und war danach unveränderlich. Der erste Eintrag hieß versehentlich „tesst" — und danach war die Adresse dauerhaft falsch. Jetzt kann man den Adressteil ändern, mit einer Warnung, dass alte Verweise ins Leere laufen.
Kategorien mussten vorher existieren. Man legt einen Eintrag an, will ihn einsortieren, und muss dafür an eine andere Stelle wechseln, eine Kategorie anlegen, zurückkehren — und der Entwurf ist weg. Jetzt kann man eine Kategorie beim Anlegen erzeugen.
Es gab keine Vorschau. Bei Markdown mit Erweiterungen sieht man erst nach dem Speichern, ob eine Tabelle passt. Vorschau ist keine Kür, sondern verhindert eine Reihe von Speichervorgängen.
Der Entwurfszustand war nicht sichtbar genug. Ein Eintrag konnte als Entwurf gespeichert werden, aber in der Liste sah man den Unterschied kaum. Zweimal habe ich mich gewundert, warum ein Eintrag nicht öffentlich ist.
Infobox
Das ist der Grund, warum ich Systeme so früh wie möglich echt benutze — nicht mit Testdaten aus einem Skript, sondern indem ich tatsächlich damit arbeite. Fünf Verbesserungen in einer Stunde hätte ich mir an keinem Schreibtisch ausgedacht. Sie sind alle nur beim tatsächlichen Tun aufgefallen.
Was mir beim Aufbau wichtig war
Adressen mit Bereich. Ein Eintrag liegt unter wiki/kategorie/name. Das macht die Adresse selbst zu einer Information und erlaubt es, später ganze Bereiche zu behandeln.
Verweise zwischen Einträgen mit einfacher Schreibweise. Ein Verweis soll beim Schreiben nicht mehr Aufwand sein als ein Wort. Ein Eintrag, der auf einen noch nicht existierenden zeigt, ist kein Fehler, sondern eine Notiz für später.
Die Aufrufzahl pro Eintrag. Nicht aus Eitelkeit — mit einem Wiki für eine Person ist das die einzige Möglichkeit herauszufinden, was ich tatsächlich nachschlage. Einträge, die ich oft aufrufe, verdienen Pflege. Einträge, die ich nie aufrufe, waren vielleicht überflüssig.
Ein Feld für Medien. Bilder, Diagramme, Ablaufskizzen. Ohne die sind technische Notizen deutlich schlechter, und mit einem Umweg über einen externen Ablageort werden sie nicht gemacht.
Die Entscheidung zur Vorschau
Von den fünf Punkten, die beim ersten echten Anlegen aufgefallen sind, hat einer mehr verändert als die anderen zusammen: die Vorschau.
Vorher war der Ablauf: schreiben, speichern, ansehen, korrigieren, speichern, ansehen. Bei einem Text mit Tabellen und Codeblöcken waren das leicht fünf Durchläufe — und jeder davon erzeugte einen Eintrag in der Fassungshistorie.
Mit Vorschau: schreiben, nebenbei sehen, einmal speichern.
Was mich daran überrascht hat, ist der Nebeneffekt auf die Qualität. Wenn Korrigieren billig ist, korrigiert man mehr. Ich habe seitdem sichtbar sorgfältigere Einträge, weil das Nachbessern keine Hürde mehr hat.
Das ist ein Muster, das ich inzwischen bei jedem Werkzeug beachte: Was teuer ist, wird seltener gemacht — auch wenn es wichtig wäre. Die Antwort darauf ist selten Disziplin und meistens, es billiger zu machen.
Wie ich die ersten Einträge geschrieben habe
Um nicht bei einem leeren System zu bleiben, hatte ich mir zwanzig Einträge vorgenommen. Der Weg dorthin war unspektakulär.
Ich habe eine Woche lang jede Frage aufgeschrieben, die ich mir selbst gestellt habe. Nicht die Antworten — nur die Fragen. Nach fünf Tagen hatte ich etwa dreißig, und ungefähr die Hälfte davon war eine, die ich schon einmal beantwortet hatte.
Diese Hälfte wurde zu den ersten Einträgen. Nicht sortiert nach Wichtigkeit, sondern nach Wiederholung — was ich zweimal gesucht habe, suche ich ein drittes Mal.
Der Ansatz hat einen Vorteil gegenüber jeder Gliederung: Er erzeugt genau die Einträge, die tatsächlich gebraucht werden. Eine Struktur, die man sich vorher ausdenkt, enthält immer Bereiche, die leer bleiben — und lässt die aus, an die man nicht gedacht hat.
Was ich beim Aufbau bewusst weggelassen habe
Ein Wiki für eine Person braucht vieles nicht, was den Begriff sonst ausmacht — und jedes weggelassene Stück ist eines weniger, das gepflegt werden will.
Keine Diskussionsseiten. Es gibt niemanden, mit dem ich diskutieren müsste.
Keine Freigabeabläufe. Ich schreibe und veröffentliche in einem Schritt.
Keine Rechteverwaltung. Es gibt genau einen Autor.
Keine Umleitungen bei Umbenennungen. Ich habe stattdessen die Möglichkeit, den Adressteil zu ändern, und akzeptiere, dass alte Verweise brechen — bei einer Sammlung, auf die kaum jemand von außen verlinkt, ist das vertretbar.
Was geblieben ist: Suche, Verweise, Entwürfe, Medien, Aufrufzähler.
Diese Aufteilung ist bei jedem Werkzeug für eine Person dieselbe Frage — und es lohnt sich, sie ausdrücklich zu stellen, statt das Vorbild vollständig nachzubauen. Ein Wiki mit Freigabeabläufen für einen Autor ist kein besseres Wiki, sondern ein umständlicheres.
Der eigentliche Test kommt jetzt
Die Technik steht, und damit ist der einfache Teil erledigt. Die Frage, die sich in den nächsten Monaten entscheidet, ist eine andere: Schreibe ich tatsächlich hinein?
Meine Erfahrung mit Notizen sagt: nur dann, wenn es weniger Aufwand ist als die Alternative. Die Alternative ist bei mir eine Textdatei. Ein Wiki-Eintrag muss also in unter einer Minute anzulegen sein, sonst gewinnt die Textdatei — und dann steht in einem halben Jahr immer noch der Eintrag „test" ganz oben.
Ich habe mir deshalb vorgenommen, die nächsten Wochen jede Notiz, die ich sowieso schreibe, dort anzulegen statt lokal. Nicht als Vorsatz, sondern als Test: Wenn ich es nach vier Wochen nicht mehr mache, liegt es am System und nicht an mir.