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Ein Kapitel schreiben statt Code: der Nebel über Aeloria

Ich habe angefangen, eine Fantasy-Geschichte zu schreiben. Warum das keine Ablenkung von der Technik war, sondern eine Übung, die mir beim Schreiben über Technik geholfen hat.

BlackZackBlackzack

1023 Wörter · 5 Min. Lesezeit

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Diesen Monat steht in meinem Blog etwas, das dort nicht hingehört: der Anfang einer Fantasy-Geschichte. Ein Dorf im Nebel, eine Schmiedetochter namens Liora, ein Grollen, das die Vögel verstummen lässt.

Ich schreibe hier auf, warum — auch für mich selbst, weil ich damit gerechnet hatte, dass es eine Woche hält.

Wie es dazu kam

Ich hatte im Januar beschlossen, mehr aufzuschreiben. Der Anlass waren technische Notizen, aber beim Schreiben ist mir etwas aufgefallen: Ich formuliere schlecht. Nicht falsch — schlecht. Meine Sätze waren Aufzählungen mit Verben, jede Erklärung eine Kette aus Nebensätzen.

Bei technischen Texten fällt das nicht so auf, weil der Inhalt trägt. Man liest über den Stil hinweg, wenn die Information stimmt. Aber es ist mühsam zu lesen, und Mühsames wird nicht gelesen.

Also habe ich etwas ausprobiert, das mit Technik nichts zu tun hat: eine Szene beschreiben, in der nichts passiert außer Atmosphäre. Ein Morgen, ein Dorf, Nebel über Feldern. Kein Ablauf, keine Anleitung, keine Begründung.

Was daran schwer war

Es gibt keine richtige Antwort. Bei Code ist am Ende klar, ob es läuft. Bei einem Absatz nicht. Man liest ihn zehnmal, und beim elften Mal ist er wieder anders.

Man kann nichts weglassen und nichts nachschlagen. In einem technischen Text lasse ich Bekanntes weg und verweise auf die Dokumentation. In einer Erzählung gibt es keine Dokumentation. Alles, was der Leser wissen soll, muss im Text stehen — und zwar so, dass es nicht wie eine Erklärung wirkt.

Wiederholungen fallen sofort auf. Ich habe in meinem ersten Entwurf fünfmal „plötzlich" benutzt und dreimal „geheimnisvoll". Beim Überarbeiten war das die auffälligste Arbeit. In technischen Texten machen mir dieselben Muster überhaupt nichts aus, weil ich sie nicht bemerke.

Was es mir gebracht hat

Ich hätte erwartet, dass es eine reine Abwechslung ist. Tatsächlich hat sich mein technisches Schreiben verändert, und zwar in drei Punkten.

Kürzere Sätze. Wenn man einen Absatz laut liest — und bei Erzählungen tut man das —, merkt man sofort, wann einem die Luft ausgeht. Ich lese seitdem auch technische Absätze laut, und ungefähr jeder dritte wird dabei kürzer.

Konkret statt allgemein. In der Erzählung funktioniert „Angst" nicht. Es funktioniert nur, was jemand sieht, hört und tut. Dasselbe gilt für technische Texte: „Der Server war überlastet" sagt weniger als „Blöcke kamen verzögert zurück, Mobs standen still".

Ein Anfang, der nicht erklärt. Meine technischen Texte fingen früher regelmäßig mit einer Einordnung an — was das Thema ist, warum es wichtig ist. Erzählungen können das nicht, sie fangen mitten in etwas an. Ich habe angefangen, technische Einträge ähnlich zu beginnen: mit der Situation, nicht mit der Einordnung.

Infobox

Für alle, die technisch schreiben und es besser machen wollen: Einen fiktionalen Text zu schreiben ist die unbequemste und wirksamste Übung, die ich kenne. Man kann sich nirgends hinter Fachlichkeit verstecken. Wenn der Absatz langweilig ist, ist er langweilig — es gibt keine wichtige Information, die es rechtfertigt.

Ob daraus etwas wird

Ehrlich: keine Ahnung. Es gibt drei Kapitel und eine Sammlung mit Orten und Figuren, damit ich mir nicht widerspreche. Ob eine ganze Geschichte daraus wird, weiß ich nicht.

Was ich weiß: Es ist die erste Sache seit Jahren, bei der ich etwas mache, ohne dass es einem Zweck dient. Kein System, keine Nutzer, kein Betrieb. Nichts davon muss laufen, nichts davon kann ausfallen.

Für jemanden, der es gewohnt ist, dass jedes Projekt eine Verpflichtung nach sich zieht, ist das eine ungewohnte und ziemlich angenehme Erfahrung.

Was das Schreiben von Fiktion konkret verändert hat

Drei Gewohnheiten aus dieser Übung sind in meine technischen Texte übergegangen, und zwar dauerhaft.

Ich lese Absätze laut. Bei einer Erzählung merkt man sofort, wann ein Satz nicht trägt. Bei technischen Texten funktioniert derselbe Test — und ungefähr jeder dritte Absatz wird dabei kürzer.

Ich fange mit der Situation an, nicht mit der Einordnung. Meine früheren Einträge begannen mit „In diesem Beitrag geht es um…". Heute stehen dort ein Zustand und ein Problem. Der Leser weiß nach zwei Sätzen, worum es geht, ohne dass es jemand ankündigt.

Ich beschreibe, was zu sehen war. „Der Server war überlastet" ist eine Bewertung. „Blöcke kamen verzögert zurück, Mobs standen still" ist eine Beobachtung — und die Beobachtung ist das, was der Leser wiedererkennt.

Warum eine Geschichte nicht wie Software funktioniert

Es gibt einen Unterschied, an dem ich mich lange gerieben habe.

Bei Software gilt: Wiederholung ist gut. Dasselbe Muster an zehn Stellen bedeutet Vorhersagbarkeit. Wer eine Struktur kennt, kennt alle.

Beim Schreiben ist Wiederholung ein Fehler. Dieselbe Satzkonstruktion in drei Absätzen ermüdet, dasselbe Wort in zwei Sätzen fällt auf.

Das hat mich erstaunlich viel Mühe gekostet, weil ich Wiederholung als Tugend gelernt hatte. Was ich daraus mitgenommen habe: Die Regeln eines Handwerks gelten für dieses Handwerk. Eine Regel aus einem anderen Bereich zu übernehmen, weil sie sich bewährt hat, ist ein Fehler, den man leicht macht und schwer bemerkt.

Ob es weitergeht

Die ehrliche Antwort ein paar Monate später: Es gibt drei Kapitel und eine Sammlung mit Orten und Figuren, damit ich mir nicht widerspreche. Weiter ist es nicht gekommen.

Der Grund ist nicht Zeitmangel, sondern etwas, das ich beim Schreiben gelernt habe: Eine Geschichte braucht eine Entscheidung darüber, worum es geht. Nicht die Handlung — die kann sich entwickeln. Sondern die Frage, die der Text stellt.

Bei einem technischen Text ist das einfach, weil es ein Problem gibt und eine Lösung. Bei einer Erzählung muss man diese Frage selbst finden, und ich habe sie nicht.

Was ich behalten habe, ist trotzdem konkret: die Übung, Absätze laut zu lesen. Der Verzicht auf Einleitungen, die ankündigen statt anzufangen. Und die Beobachtung, dass ich in technischen Texten fünfmal dasselbe Wort benutze, ohne es zu merken — in einer Erzählung fällt es beim ersten Durchlesen auf.

Warum es hier steht und nicht woanders

Ich habe kurz überlegt, dafür einen eigenen Ort zu machen. Dagegen sprach etwas Einfaches: Es ist von mir, und diese Seite ist von mir. Ein Blog, in dem ausschließlich Technik steht, gibt ein unvollständiges Bild von der Person, die dahintersteht.

Und praktisch: Ein zweiter Ort bedeutet ein zweites System, das gepflegt werden will. Das habe ich in diesem Jahr schon woanders gelernt.